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Der Kaiser als Gegner

Im Jahre 1865 eröffnete Kaiser Franz Joseph I. die Wiener Ringstraße. Acht Jahre zuvor hatte sein „Allerhöchstes Handschreiben“ den Abbruch der alten Stadtbefestigung und der daran angrenzenden Häuser eingeleitet. Davon direkt betroffen war der Vorläufer des ebswien tierservice.

Der Wiener Gemeinderat wollte Fakten schaffen: Am 17. Dezember 1861beschlossen seine Mitglieder die Demolierung des „Freymannshauses“ am Neuen Thor (heute etwa I., Neutorgasse 6), das mehr als 75 Jahre lang von der Stadt den Scharfrichtern und Wasenmeistern als Wohnort zugewiesen worden war. Johann Georg Hoffmann bestand auf einem adäquaten Ersatz. Er benötige ausreichend Platz für sein Personal, seine Pferde und Fuhrwerke, um die toten Tiere aus der Stadt zu schaffen und den Hundefang ordnungsgemäß durchführen zu können. Und schließlich stünde ihm eine Wohnung in der inneren Stadt oder in ihrer nächsten Nähe zu, argumentierte der Wasenmeister. Die Stadt wollte davon nichts wissen, auf die letztere „Anforderung wäre wohl nicht einzugehen“, schreibt Magistratsrat Friedrich Rixner. Sehr wohl aber müssten Hoffmann für seine Tätigkeit die geeigneten Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden. Ursprünglich wollte der Gemeinderat die eingefangenen Hunde gleich nach Kledering schaffen lassen, wo auf dem Gelände des heutigen Zentralfriedhofs die städtische Abdeckerei angesiedelt war. Im Sinne der Kundenfreundlichkeit – Hundebesitzer sollten ihre vom Wasenmeister eingefangenen Vierbeiner zentrumsnah wieder auslösen können – schrieb die niederösterreichische Statthalterei der Stadt vor, dafür bis Mai 1862 ein „geeignetes Lokal innerhalb der Linien“ zu finden. Das würde ja „keinen großen Schwierigkeiten unterliegen“, handle es sich ja bloß um einen „Unterstandsort für gefangene Hunde“. Doch ganz so einfach war die Herbergssuche nicht: Die Gemeinde Brigittenau wehrte sich gegen eine Ansiedlung, „die Scheu der Umgebung vor dem Wasenmeistergeschäft“ und – wohl noch mehr – „die Besorgnis vor der Entwerthung der angränzenden Realitäten“ spielten dabei eine Rolle. Das weit gediehene Projekt der Übersiedlung des Wasenmeisters in die Salzgrieskaserne stoppte Bürgermeister Andreas Zelinka persönlich. Ihm war avisiert worden, dass die Kaserne „zur Erbauung einer neuen in großartigen Style projectirten Börse“ verkauft werden sollte.  Schließlich blieb der Stadt Wien nichts anderes über als tief in die Tasche zu greifen: Der Landkutscherswitwe Theresia Furchheimer kaufte sie Haus und Grund in der Landstraße (Konskriptionsnummer 737, neu benannt Arsenalweg 1) ab, 4.000 Gulden kostete das Haus, den Preis für den weitläufigen Grund konnte die Gemeinde von 7 auf 5 Gulden pro Quadratklafter (rund 3,6 Quadratmeter) drücken. Bei einer Grundgröße von „beiläufig 4.000 Quadratklaftern“ keine unbedeutende Ersparnis. Und der Wasenmeister Hoffmann? Er war mit all seinen Eingaben und Rekursen abgeblitzt, bis zuletzt verzögerte er die Demolierung seines Wohnhauses, die erst im Dezember 1863 erfolgen konnte. Schlussendlich musste Hoffmann sich in sein Schicksal fügen. Seine Zeit im neuen Haus am Arsenalweg war kurz bemessen: Nach einer „Verkühlung“, die er sich bei einer Exekution in Klosterneuburg zugezogen haben soll, verstarb der streitbare Wasenmeister am 10. Mai 1865 an einem Lungenödem. Er wurde 56 Jahre alt.

Das Neutor um 1860. © Wien Museum

Das Neutor um 1860.

Emil Hütter: Freymannshaus beim Neutor (Ausschnitt, 1860). © Wien Museum

Emil Hütter malte das Freymannshaus im Jahr 1860. Kleiner Scherz am Rande: Aus der Wohnung des Wasenmeisters lässt er ein Pferd blicken.

Grundriss des Freymannshaus beim Neutor. © Wiener Stadt- und Landesarchiv

Grundriss des Freymannshauses beim Neutor.

Grundriss des FreDas Wasenmeisterhaus am Arsenalweg. © Bezirksmuseum Landstraßeymannshaus beim Neutor. Emil Hütter: Neutor (1860, Ausschnitt). © Wiener Stadt- und Landesarchiv

Der Aquarellist Adolf Albin Blamauer hielt das Wasenmeisterhaus am Arsenalweg für die Nachwelt fest.